Ich habe Rücken…
- Knackpunkt Physio

- 4. März 2020
- 2 Min. Lesezeit

Die Meisten kennen das und haben schon mindestens einmal im Leben mit diesem Problem Bekanntschaft gemacht. Sogar fast jeder Dritte in Deutschland leidet öfter oder häufig unter Rückenbeschwerden. Aber wie sind Rücken- oder Kreuzschmerzen eigentlich definiert und kann man genaue Aussagen über die Ursachen machen?
Von der lokalen Zuordnung reden wir von Beschwerden unterhalb des Rippenbogens und oberhalb der Gesäßfalte. Anatomisch betrachtet kommen als verursachende Strukturen damit die LWS, das Iliosakralgelenk (ISG) und das Hüftgelenk in Frage unter Einbeziehung der umgebenden Strukturen. Wie Fontane sagen würde: „ein weites Feld“.
Die Ursachen für Rückenbeschwerden sind in mehr als 80% der Fälle trotz modernster Diagnosemethoden nicht zu bestimmen. Das bedeutet, dass Bandscheibenvorfälle, Stenosen, degenerative Veränderungen oder Tumore nur relativ selten für Rückenschmerzen verantwortlich sein können.
Therapeutisch stehen deshalb andere Strukturen im Vordergrund, die durch bestimmte Lebens- und Verhaltensweisen in ihrer Funktion beeinträchtigt werden. Damit sind vor allem Muskeln, Faszien, Bänder und andere Weichteile gemeint. Sie regieren auf einseitige und fehlerhafte Belastungen und Beanspruchungen sehr empfindlich und melden das an das ZNS. Übersteigt das Signal eine bestimmte Schwelle, wird von den entsprechenden Hirnzentren ein sogenannter Alarmschmerz induziert, um die Belastung in dem betroffenen Bereich zu reduzieren. Zu der neuronalen Reaktion gehört eigentlich auch die Einleitung muskulärer Antworten, um die Belastung zu reduzieren. Leider gelingt das in der Regel nicht, weil wir unsere Haltungs- und Verhaltensgewohnheiten nicht aufgeben. Das führt schließlich zu einer manifesten muskulären Dysbalance, die die Gelenke und andere Strukturen zunehmend unter Druck setzt.
Ein typisches Beispiel dafür, wie ein solcher Mechanismus sich aufbaut ist die Betonung des Sitzens im Alltag in Verbindung mit Bewegungsmangel. Das beginnt für viele Menschen mit der morgendlichen Fahrt mit Bus, Bahn oder dem Auto und setzt sich nahtlos am Arbeitsplatz fort. Nach Feierabend geht es auf der Couch weiter und viele setzen die Sitzposition sogar im Schlaf fort.
Eine schwerwiegende Folge ist, dass die Hüftflexoren allmählich immer kürzer werden, während die Gegenspieler verzweifelt und erfolglos versuchen, dem durch eine erhöhte Spannung entgegen zu wirken. Die Folge für die betroffenen Strukturen und Regionen ist eine ständige Überbelastung und die Entstehung eines stetig wachsenden Alarmschmerzes mit der Gefahr der Chronifizierung. Sehr häufig lassen sich resistente Schmerzen im Rücken, im Hüftgelenk oder im Bereich des Ilioskralgelenkes mit diesem Denkmodell erklären.
Die therapeutische Konsequenz daraus ist eigentlich sehr einfach:
-- Beseitigung der chronifizierten Alarm- und Spannungsschmerzen an Muskeln, Faszien und anderen Geweben
-- Druckmassage, Faszienrollmassage , Triggerpunktbehandlung, Osteopressur,
-- Verlängerung der Bewegungsamplitude in den verkürzten Bereichen
-- Langanhaltende Muskel- und Fasziendehnungen
-- Faszienbehandlungen
-- Eigentrainingsprogramm
-- Verhaltensänderung
Bleiben sie gesund!






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